Zum Artikel „Clash von Lebenswelten im Taufgespräch“

Situationen wie im Taufgespräch gibt es viele, erinnere ich mich nach der Lektüre. Auch außerhalb dieser konkreten Situation. Gespräche, in denen man mit Freundinnen und Freunden, mit Bekannten und Nachbarn über sehr Privates, über die Situation des Mutter- und Elternwerdens, Mutterseins, über Gefühle und zu erwartende Veränderungen spricht. Kinder stellen schliesslich das Leben auf den Kopf.

Auch die Frage der Kinderbetreuung wird meist gestreift. In heutigen Zeiten drehen sich die Fragen häufig um den besten „Betreuungsmix“ zwischen Grosseltern bzw. der Grossmutter, der Schwiegermutter, vielleicht noch der Nachbarin oder Freundin. Dazu die Frage nach der Kinderkrippe, oder wenn das als „politisch nicht korrekt“ weil zu früh eingestuft wird, die Frage nach der Entfernung und der Qualität des Kindergartens.

Heikel wird es, wenn die Frage nach dem Vater ins Spiel kommt. Wenn er überhaupt ins Spiel kommt. Auch ich frage immer seltener nach – schliesslich ist das ein Eingriff in „die Privatsphäre“. Aber ich vermisse ihn trotzdem – sowohl im Taufgespräch wie im echten Leben. Über ihn und seine Rolle wird nicht gesprochen, sie ist ein Tabu. Er ist eine Randerscheinung, wenn es um geteilte Verantwortung geht, und zwar von Anfang an. Von ihm wird auch wenig verlangt. „Also das geht gar nicht, dass er mit seinem Chef redet, man weiss ja nicht, was dann mit seiner Karriere passiert“. „Mein Mann verdient mehr als ich, da ist es klar, wer seine Stelle reduziert“. „Na ja, Männer und kleine Kinder…???“. Väter, die sich ihre aktive Rolle erkämpfen, sind auch rar gesät. So tobt die „Vereinbarkeitsdebatte“ weiter, ausschliesslich um den Spagat der Mutter zwischen Teilzeit, externer Kinderbetreuung und Grossmütterunterstützung.

 Andere Beziehungsverständnisse, qualifizierte Teilzeitarbeit für beide und vor allem die Anforderungen an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bleiben weiterhin aussen vor, im Taufgespräch wie im realen Leben. Das zeigt die Debatte um die Einführung eines Elternurlaubs, dessen Einführung durch das Parlament bereits 26mal abgelehnt wurde.

Vielleicht hat Francois Höpflinger deshalb eine neue konservative Wende entdeckt, die sich durch eine selbstbewusste Mutterschaft in der traditionellen Kleinfamilie auszeichnet. Es handle sich hier um gut ausgebildete Frauen mit „intakten Karrierechancen“. Selbstbewusste Väter gebe es auch – vor allem am Wochenende, so der Soziologe im Tagesanzeiger vom 23. Oktober.

 Ich frage mich schon, ob diese Wende existiert – und ob sie freiwillig ist.

 Jeannette Behringer

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