Päpstlicher „Feminismus“

Dr. theol. Ida Raming von RCWP (Roman Catholic Woman Priests)

Gleich würdig! Gleich heilig! Aber sie funktioniert eben nicht so wie ein Mann: Die Frau in der Kirche.

Im jüngsten Schreiben des Oberhauptes der Katholischen Kirche „Evangelii Gaudium“wird einiges an Aufbruchsstimmung verbreitet, was eine zunächst aufhorchen lässt. Immerhin wird die „Frau“ oder „Frauen“ doppelt so häufig erwähnt wie der männliche Part. Das liegt vor allem an zwei Absätzen die sich mit „weiteren kirchlichen Herausforderungen“ befassen (unten zitiert aus der vatikanischen Online-Ausgabe). Bei aller Hoffnung, die ein Grossteil des Textes weckt, dass der Katholischen Kirche Reformen bevorstehen, liegen in diesen Abschnitten aber Kernaussagen, welche die bisherige Gangart, bzw. den üblichen Stillstand vermuten lassen. Kein Priestertum für die Frau. Das bemängelt auch Ida Raming in der Pressemitteilung der Internationalen Priesterinnenbewegung RCWP. Die Funktion könne, so Papst Franziskus, nur ein Mann ausüben, auch wenn alle (Getauften) gleiche Würde und Heiligkeit geniessen.

Ebenso wie im Schreiben an die Bischöfe von Kardinal Ratzinger von 2004 wird das einfühlsame Wesen der Frau betont und ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft, als eine, die aus ihrer Natur heraus anderen Menschen zugeneigt sei – was sich besonders in der Mutterrolle zeige, wenn auch nicht ausschliesslich. Und wieder wird auch hier die Heilige Maria herbei gezerrt, welche die weiblichen Ideale in sich vereinigen würde. Auf die Hervorhebung der zwei Optionen: Mutter oder Jungfrau, wie es 2004 vom vorigen Papst in die Apostolische Kirche gemeisselt wurde (vgl. Punkt IV. Die Aktualität der fraulichen Werte im Leben der Kirche) wird  im jüngsten Schreiben immerhin verzichtet. Für katholische Nicht-Frauen dürfte das Schreiben ebenfalls Fragen aufwerfen, ob sie tatsächlich auf der unsensiblen, weniger sozialen Seite stehen und da auch bleiben wollen, wenn sie denn da stünden.

Die FAMA-Redaktion freut sich über Kommentare zum Thema! 

Die betreffenden Absätze aus Evangelii Gaudium:

103. Die Kirche erkennt den unentbehrlichen Beitrag an, den die Frau in der Gesellschaft leistet, mit einem Feingefühl, einer Intuition und gewissen charakteristischen Fähigkeiten, die gewöhnlich typischer für die Frauen sind als für die Männer. Zum Beispiel die besondere weibliche Aufmerksamkeit gegenüber den anderen, die sich speziell, wenn auch nicht ausschließlich, in der Mutterschaft ausdrückt. Ich sehe mit Freude, wie viele Frauen pastorale Verantwortungen gemeinsam mit den Priestern ausüben, ihren Beitrag zur Begleitung von Einzelnen, von Familien oder Gruppen leisten und neue Anstöße zur theologischen Reflexion geben. Doch müssen die Räume für eine wirksamere weibliche Gegenwart in der Kirche noch erweitert werden. Denn » das weibliche Talent ist unentbehrlich in allen Ausdrucksformen des Gesellschaftslebens; aus diesem Grund muss die Gegenwart der Frauen auch im Bereich der Arbeit garantiert werden «und an den verschiedenen Stellen, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden, in der Kirche ebenso wie in den sozialen Strukturen.

104. Die Beanspruchung der legitimen Rechte der Frauen aufgrund der festen Überzeugung, dass Männer und Frauen die gleiche Würde besitzen, stellt die Kirche vor tiefe Fragen, die sie herausfordern und die nicht oberflächlich umgangen werden können. Das den Männern vorbehaltene Priestertum als Zeichen Christi, des Bräutigams, der sich in der Eucharistie hingibt, ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht, kann aber Anlass zu besonderen Konflikten geben, wenn die sakramentale Vollmacht zu sehr mit der Macht verwechselt wird. Man darf nicht vergessen, dass wir uns, wenn wir von priesterlicher Vollmacht reden, » auf der Ebene der Funktion und nicht auf der Ebene derWürde und der Heiligkeit « befinden. Das Amtspriestertum ist eines der Mittel, das Jesus zum Dienst an seinem Volk einsetzt, doch die große Würde kommt von der Taufe, die allen zugänglich ist. Die Gleichgestaltung des Priesters mit Christus, dem Haupt – das heißt als Hauptquelle der Gnade – schließt nicht eine Erhebung ein, die ihn an die Spitze alles Übrigen setzt. In der Kirche begründen die Funktionen » keine Überlegenheit der einen über die anderen «. Tatsächlich ist eine Frau, Maria, bedeutender als die Bischöfe. Auch wenn die Funktion des Amtspriestertums sich als „hierarchisch“ versteht, muss man berücksichtigen, dass sie » ganz für die Heiligkeit der Glieder Christi bestimmt « ist.Ihr Dreh- und Angelpunkt ist nicht ihre als Herrschaft verstandene Macht, sondern ihre Vollmacht, das Sakrament der Eucharistie zu spenden; darauf beruht ihre Autorität, die immer ein Dienst am Volk ist. Hier erscheint eine große Herausforderung für die Hirten und für die Theologen, die helfen könnten, besser zu erkennen, was das dort, wo in den verschiedenen Bereichen der Kirche wichtige Entscheidungen getroffen werden, in Bezug auf die mögliche Rolle der Frau mit sich bringt.

Wem nach dieser Lektüre etwas mulmig ist, möge doch

  1. die FAMA in die Hand nehmen und „vergessen“ oder
  2. sich auf die nächste Ausgabe freuen oder
  3. dagegen anschreiben (was auf diesem Blog möglich ist).
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11 Antworten zu Päpstlicher „Feminismus“

  1. DIE „GROSSE HERAUSFORDERUNG“ FÜR FRANZISKUS: FRAUEN

    Er ist bis zum äußersten seiner Möglichkeiten gegangen: Papst Franziskus will den Frauen in der Kirche einen deutlich erweiterten Raum der Mitarbeit und der Entscheidungsbefugnisse verschaffen. Die gleiche und unantastbare Würde der Frauen und der Männern wird in der neuen Enzyklika zur Freude aus dem Evangelium ohne Vorbehalte anerkannt. Die Diskussion über die Ordination der Frauen jedoch wird noch nicht aufgenommen.
    Was folgt daraus?

    Zuerst einmal einen Widerspruch: Franziskus meint, dass der gleichen Würde der Frau mit der Verweigerung ihres Dienstes am Altar kein Eintrag geschehe. Das ist das patriarchale Vorurteil, das den Sinn und die Funktion der gleichen Würde vom Mann aus bestimmt.

    Dann aber eine leise Öffnung der Tür: Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil sollte das Wesen des besonderen Priestertums vom Wesen des allgemeinen Priestertums von weiblichen und männlichen Laien verschieden sein: „in essentia differunt.“ Das war die strukturelle Sünde der römisch-katholischen Kirche. Das Problem sehend, öffnet Franziskus leise die Tür: Er meint, dass nur die Funktion (104), also der Dienst von Frauen und Männern verschieden sei, nicht das Wesen ihrer priesterlichen Würde. Auf Dauer wird das zur Ordination der Frau führen können, weil nun Männer und Frauen im Wesen ihrer Teilhabe an der priesterlichen Würde Christi wieder gleich sind. Der Weg zur Ordination der Frauen bleibt aber lang, viel zu lang, um glaubwürdig zu sein und um die Freude am Evangelium ganz zu machen.

    Und dann gibt es noch einen Widerspruch in der neuen Enzyklika, der Hoffnung auf eine Ordination der Frauen und damit auf die Gleichheit der Geschlechter in der römisch-katholischen Kirche macht. Es ist die Forderung, Frauen juridische Entscheidungsgewalt in der Kirche zu verleihen. Bis jetzt aber war dazu der Stand des Klerikers notwendig. Nur Kleriker hatten juridische Vollmachten. Wenn nun Frauen eindeutig juridisch geltende Entscheidungsvollmachten zugebilligt werden – was dann? Sind sie dann nicht auch mit den Voraussetzunge zu diesen Vollmachten anerkannt? Also ordiniert?

    Zur Freude an der neuen Auslegung des Evangeliums gehört das Wissen um die Freiheit, die zentrale Frage der Menschenrechte in der römisch-katholischen Kirche gut beheimatet zu wissen. Die Berechtigung jeden Geschlechts, zu alle beruflichen Funktionen gleichermaßen zugelassen zu werden, ist zwar noch nicht erreicht. Aber das besondere Priestertum der Kleriker wird jetzt als Unterschied der Funktion bezeichnet. Das lässt hoffen, dass die bisherige strukturelle Diskriminierung der Frauen in der römisch katholischen Kirche aufgehoben werden wird. Denn aufhebbar ist sie ab jetzt ohnehin. Ich schäme mich als Mann, dass die Freude am Evangelium durch die Weigerung getrübt wird, Frauen die im Prinzip anerkannte Funktionsbegabung in der Realität noch nicht zuzugestehen.

    Man sieht: Franziskus in Rom hat recht, die Unfehlbarkeit für sich nicht zu beanspruchen. Mit einiger Schamröte – Peter Eicher.

  2. Simone Rudiger schreibt:

    @ Peter Eicher: Ich hoffe sehr, dass Ihre positive Lesart der beiden Absätze aus Gaudium Evangelii dereinst durch Fakten bestätigt werden wird – ich bin noch etwas skeptisch, mag mich aber gerne auf den Tag freuen, an dem die von Ihnen wahrgenommenen Türspalten durch beherzte Entscheidungen zu wirklich offenen Türen werden! – Simone Rudiger

  3. Unglaublich dieses römische Gesülze! Da wird auch der Mann aus Nazareth missbraucht, welcher weder eine Kirche gegründet, noch Priester geweiht hat. QED

  4. B. Martha Leuthard schreibt:

    Morgen wird der Muttertag gefeiert. Ich bin stolz, Mutter eines Sohnes und einer Tochter sowie Oma eines gesunden Enkels zu sein. Wir Frauen sind doch die Bevorzugten, welche Leben weitergeben und die Möglichkeit haben, als Seelsorgerinnen für Priesternachwuchs besorgt zu sein.
    Gerade das Bistum Chur trägt der Kirche Christi Rechnung, indem berufene Männer aus dem praktischen Leben (Schlosser, Postbeamte usw.) mit entsprechender Ausbildung am Priesterseminar die Weihe als Priester erhalten. Indem Papst Franziskus grössere Kompetenzen an die Bischöfe delegieren möchte, könnte es ja sein, dass……
    Meine Namenspatronin Marta von Betanien war schliesslich d i e Frau, welche gemäss Bibel als erste weibliche Person bezeugte, dass Christus der Messias ist. Ihr männliches Pendant ist Petrus.
    Ich empfehle allen das von Papst Franziskus gewünschte Gebet an die Heilige Familie für das gute Gelingen der Bischofssynode vom Dezember 2014 in Rom. Den Text erfahren Sie auf http://www.bistum-chur.ch.
    Einen Beitrag zur Geschiedenen-Pastoral ersehen Sie auf http://www.martha.vpweb.ch.
    B. Martha Leuthard, Mels

    • reda schreibt:

      Vielen Dank für Ihren Beitrag und herzlichen Glückwunsch zum Muttertag!

      Auch wenn aus feministischer Sicht mindestens fraglich ist, ob die biologische Möglichkeit (die nicht der tatsächlichen entspricht), Kinder zu gebären, eine Bevorzugung ist. Daher haben wir in unserem Newsletter vorgestern auf die Mutternacht aufmerksam gemacht. Auch heute sterben etwa 1000 Frauen an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt.
      Die Diskussion um die kirchliche Dimension von Geschlechter-Rollen sei weiterhin unseren Bloger_innen überlassen 🙂 – welcher Konfession sie auch angehören.

  5. @ Martha aus Mels: Lieber also ein Schlosser und Pöstler als Priester, als eine theologisch ausgebildete Frau. Nur ja nicht zu gebildet und zu aufmüpfig sein, sonst könnte es frau ergehen wie den US-Nonnen, welche nun von Papst Franziskus unter Häresieverdacht gestellt worden sind. Nachzulesen unter: http://www.aufbruch.ch/4305

  6. B. Martha Leuthard schreibt:

    Mit dem Hinweis auf http://www.aufbruch.ch habe ich mich zudem zum Thema „Frauen als Kardinäle“ geäussert.
    Warum beharren gewisse Frauen so sehr auf der Ordination? Wenn es mit den Männern nicht mehr geht, lösen sich viele „Probleme“ wie von selbst. Pfingsten steht vor der Türe. Der Heilige Geist weht jetzt schon wo und wie er will. An erster Stelle steht das Gebet und vor allem das Gebet für die Familie, deren Welttag wir heute feiern.
    B. Martha Leuthard, Mels

  7. Auch ich freue mich auf Pfingsten: Die „Ruach“, die Heilige Geistkraft weht in der Tat wo sie will; -nur ist von ihrem Wehen in den verkrusteten Strukturen der Männerkirche nicht mehr viel zu spüren. Die Ordination würde es vielen ausgebildeten Theologinnen ermöglichen, mitzubestimmen, als nur fremdbestimmt zu werden und ihr Charisma in vielfältiger Weise zu leben.

  8. KaWi schreibt:

    Freu mich auf das Pfingstbrausen der FrauenKirche Zentralschweiz. Im letzten Jahr zog ein Jongleur mit echten Feuerzungen durch die Hofkirche. Frauen leiteten die Liturgie und der Altar war über und über gedeckt mit Wein und frischem Brot. Und es wurde am Altar gegessen. Eine gastfreundliche Art (auch ohne Ordination: Würdenträgerinnen mit Charisma luden ein).

  9. Wunderschön dieser Anlass der FrauenKircheZentralschweiz! Würde-TrägerInnen sind ind er Tat alle Menschen; Frauen wie Männer, mit oder ohne Geweih. 😉 Und über Charisma verfügen auch Viele. Soll frau jedoch damit zufrieden sein, liebe KaWi? Auch gut, nur dann soll sich keine mehr über die Restriktionen Roms aufregen …

  10. B. Martha Leuthard schreibt:

    Pater Wolfgang Abt OSB + feierte mit uns zum Schluss einer Fastenwoche im Hotel in Davos Gottesdienst. Mit ihm sprachen wir die Wandlungsworte. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin nahm das frische Brot und den Becher mit Wein in die Hände. Wir waren keine WürdenträgerInnen sondern Männer und Frauen aus dem „Fussvolk“.
    Es gibt viele Wege, die nach Rom führen. Gottes Mühlen mahlen langsam – aber gründlich.
    Ich wünsche Ihnen und der FrauenKirche Zentralschweiz Gottes reichsten Segen.

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