Schwarz und Rot. Rückblick zum Jubiläum

Einfach wunderbar, dass so viele Frauen und Männer unsere Zuversicht teilen und mitgefeiert haben am 21. März im Kunsthaus in Zürich. Ein voller Saal für einen Abend in Fülle: nachdenken und feiern, diskutieren und lauschen, essen, sich treffen, dasein, Klavier und Zuversicht und Stolz.

Warum wir dranbleiben: Rot und Schwarz waren die FAMA-Frauen zum Jubiläum gekleidet. Schwarz und Rot nennt Jacqueline Sonego Mettner die Gründe, warum seit dreissig Jahren Redaktorinnen in viel freiwilligem Engagement die FAMA am Leben und lebendig halten: Schwarz: Die Verbundenheit mit Frauen, die weltweit Widerstand leisten gegen Unrecht und Unterdrückung, Krieg und Zerstörung; das Wissen um die auch hierzulande immer noch grosse Lohnschere, Wissen um Gewalt gegen Frauen, um männergeprägte Machtstrukturen in Politik, Wirtschaft, Kirchen. Aber auch Rot: Die Freude am gemeinsamen Schaffen, die Lust am Theologisieren, die freundschaftliche Verbundenheit, die unverschämte Zuversicht, dass das „Gerücht“ FAMA da und dort auf offene Ohren stösst.

Wie viel Feminismus? Wie viel Religion? Ein Podiumsgespräch zu zwei schier unendlichen Themen, die alle beide durch die engagiert-persönlichen Stellungnahmen der Podiumsfrauen ganz konkret Gesicht bekamen. Von der eigenen Religiosität getragen, erlebt Barbara Schmid-Federer, CVP Nationalrätin, mit grosser Sorge, wie religiöse Themen zunehmend von rechts-konservativen Kreisen populistisch reduziert und instrumentalisiert werden. Nina Streeck, Wissenschaftsjournalistin und Kolumnistin bei der NZZ am Sonntag, berichtet vom harten Erwachen in der chauvinistischen Wirklichkeit, welches die bis nach dem Studium aufrechterhaltene Illusion von Gleichberechtigung zerstört, und von der Frauenkolumne, die schnell mal zum Alibi wird: Frauenthemen abgedeckt, müssen im Rest der Zeitung nicht vorkommen. Christine Stark, Redaktorin bei Sternstunde Religion am SRF, bringt die Erfahrung vieler Frauen auf den Punkt: Sobald Kinder und Karriere zu kombinieren sind, beginnt eine ermüdende Krisenzeit, die oft zuerst als persönliches Versagen wahrgenommen wird, bevor die dahinterliegenden strukturellen Probleme erkannt werden. Strukturelle Probleme anderer Art hat Orsola Lina Vettori, Direktorin Spital Zollikerberg, in ihrem Spital gelöst, indem sie die starren Berufsgruppenhierarchien aufgelöst und stattdessen thematische Teams gebildet hat. Dadurch stieg nicht nur die Effizienz, sondern auch die Arbeits- und Betreuungsqualität. Und so lassen sich auch heikle Probleme wie religiöse Konflikte unter PatientInnen besser entschärfen.
Wie viel Religion also? Zumindest zwischen den Zeilen ist sie sowieso allgegenwärtig. Da lohnt es sich, Religion auch als Denk- und Wahrnehmungsmuster immer einzubeziehen.
Und wie viel Feminismus? Mehr!

KOSTproben …
… musikalisch: Jazzig sanft bis wild holte Fabienne Ambühl am Klavier die über zweihundert Gäste vom Apéro zurück in die Ränge.

… literarisch: einfach unverschämt zuversichtlich – aber auch ganz schön nachdenklich stimmten die Kostproben aus dem Jubiläumsband. Getrieben von der Frage nach Gott angesichts von Zweifel und Freude und Leid, suchend unterwegs zwischen Feminismus und Emanzipation, beladen mit Erfahrungen von An- und Abgewiesen-Sein bleibt der Rat von Frau Lot: Schnür deine Schuh, bleib nicht stehen. «Und sie träumte davon, weil ihre Tränen, die ihr über die Wangen liefen und in den Mund tropften, salzig schmeckten, sie träumte davon, ein wenig ‚Salz der Erde‘ zu sein, lebenswichtig zu sein, für sich und andere.» (Brigit Keller, S. 110)

… verlinkt:
Zum Buch oder zur Diskussionseinladung

Begrüssung von Jacqueline Sonego Mettner
Grussworte von Dr. Doris Strahm

Zu den Bildern

 

 

 

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