Streitet, Frauen! Du auch?!

Die aktuelle FAMA

Die neue FAMA mit dem Titel Streitet, Frauen! ist da. Ein gutes Geschenk! Und im Kommentar könnt Ihr ebenfalls mitstreiten.
Zur eigenen Meinung stehen und dies in konstruktiven Auseinandersetzungen austragen zu können, dafür macht sich Dr. Dorothee Markert in ihrem Artikel Weibliche Autorität stärken, stark.
Ihren Beitrag finden Sie auf diesem Blog in Auszügen oder in voller Länge, freigegeben zum mitstreiteten hier:

 

Weibliche Autorität stärken, statt auf Frauensolidarität zu hoffen
Dr. Dorothee Markert                                                   ⇒ ungekürzte Version: Artikel (PDF)

Solidarität ist kostbar. Dass ein Mensch sich hinter einen anderen stellt, der von einem Mächtigen bedroht, angegriffen, ausgebeutet, abgewertet oder anderweitig geschädigt wird, dass er das auch dann tut, wenn er selbst gar nicht betroffen ist und unter Umständen sogar Nachteile davon hat, ist wie jedes Geschenk etwas Wunderbares, das Menschen erst zu Menschen macht. (…)

Verbot von Differenz
Mit dem Einfordern von Frauensolidarität wurden Unterschiede zwischen den Frauen zugedeckt und Konflikte vermieden, was die Einzelnen und auch die Bewegung insgesamt nicht stärkte, sondern schwächte. Andere Frauen zu kritisieren galt lange per se als unsolidarisch. Wagte eine Frau gar öffentliche Kritik an anderen Frauen, wurde sie als Verräterin behandelt, die dem „Feind“ in die Hände arbeitete. Ich selbst wurde einmal vor ein „Vernetzungsplenum“ zitiert, das mich zur Rede stellte und für schuldig befand: In einem Zeitungsinterview hatte ich Frauengruppen kritisiert, die durch vorherige Drohungen und Pfeifkonzerte den öffentlichen Vortrag einer solchen „Verräterin“ verhindern wollten. Einige Jahre lang wurde ich daraufhin in meiner Heimatstadt von Frauen aus der politisch aktiven Frauenszene geschnitten. (…)

Frauenbeziehungen und weibliche Autorität
Doch was könnte das Bild der Frauensolidarität ersetzen? Wie entsteht denn Stärke von Frauen, um die es ja bei diesem Bild ging?
In den 1980er Jahren erkannten italienische Frauengruppen, dass weibliche Freiheit und weibliche Stärke nicht aus der oben beschriebenen Art der Frontenbildung erwachsen kann. Sie entschieden sich für einen anderen Weg, indem sie nach Möglichkeiten suchten, die Verschiedenheit unter Frauen und die Stärke ihrer unterschiedlichen Begehren in eine wirkungsvolle Frauenpolitik umzusetzen. Sie setzten dabei nicht auf die Macht vieler Gleicher bzw. Gleichgemachter, sondern auf stärkende Beziehungen unter Frauen, in denen Frauen einander Autorität zusprechen, sowie auf die Sichtbarkeit weiblicher Autorität in der Welt. Wenn ich einer anderen Frau Autorität zuspreche, dann ist mir ihre Einschätzung wichtig und ich setze mich mit ihr auseinander, behalte aber die Freiheit, mich schliesslich vielleicht doch anders zu entscheiden. Ich kann von ihr lernen, kann mich an ihr orientieren und fühle mich in den Anliegen, die mir wichtig sind, von ihr unterstützt. Um in Autoritätsbeziehungen wachsen zu können, ist die Bereitschaft nötig, sich gegebenenfalls auch hinterfragen und kritisieren zu lassen. Weil aber solche Beziehungen von Wohlwollen und Vertrauen getragen sind, kann Differenz hier fruchtbar werden und tiefgehende Veränderungen bewirken, Konflikte können also konstruktiv ausgetragen werden. (…)

Dr. Dorothee Markert trägt seit 1990 dazu bei, das Denken italienischer Geschlechterdifferenz-Philosophinnen bekannt zu machen, u.a. auch als Redakteurin beim Internetforum www.bzw-weiterdenken.de

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4 Antworten zu Streitet, Frauen! Du auch?!

  1. Frank schreibt:

    Lesetip:

    „Als Pizzey und ihre Mitstreiterinnen bekundeten, ihre Männer zu lieben, wurden sie von einer Welle höhnischen Johlens und Pfeifens niedergemacht. In ihren Memoiren wendet sich Pizzey gegen diese Rudelmentalität: „Ich glaubte wirklich an die Beteuerungen der frühen Frauenbewegung, dass Frauen nicht länger der Herde zu folgen bräuchten. Wir könnten Individuen werden und unser eigenes Ding machen. Tatsächlich aber musste ich mitansehen, dass die Frauenbewegung nichts anderes bedeutete als einen Katalog von Regeln gegen einen anderen einzutauschen. Schon wurde uns mitgeteilt, dass wir kein Make-Up tragen und auf Deodorant verzichten sollten.“ Immer wieder gingen in den frühen feministischen Organisationen Briefe verzweifelter Frauen ein, oft in Begleitung eines Geldscheins als Spende. Immer wieder musste Pizzey miterleben, wie die Führerinnen der Bewegung die Scheine einsteckten und die Briefe ungelesen wegwarfen.“

    http://www.freitag.de/autoren/sidney-davenport/grunderin-der-frauenhausbewegung-schreibt-erschutternde-biographie

  2. Einen Lesetipp à la Frank braucht frau nicht: Da ist die aktuelle Ausgabe der FAMA zu gut: Differenziert, selbstkritisch und vielfältig kommt sie daher und ist daher Lesestoff vom Feinsten. So dass ich einige Probeexemplare an Frauen verschenkt habe, mit denen ich noch ein Hühnchen zu rupfen hatte oder mit denen ich es sonstwie schön finde, schwesterlich und tierisch zu streiten.

  3. Und übrigens: Eine kurze „Rezension“ der aktuellen FAMA habe ich auf der Vernetzungsplattform „ostschweizerinnen.ch“ platziert: http://www.ostschweizerinnen.ch/Kultur/fama.php?navanchor=2110007
    „Streitet, Frauen!“

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