Die schmerzhaften Debatten unter Feministinnen

Habe gerade bei Antje Schrupp einen spannenden Beitrag gelesen, der das Thema Streitkultur und Kritikfähigkeit aufnimmt. Im Fokus steht weniger das Geschlecht (auch wenn der Aufhänger ein Missy Mag Artikel ist) sondern die Frage, welche Folgen die aktuelle Streit(un?)kultur für den Umgang mit Fehlern und das Lernen daraus hat. Ein Aspekt, der in unserer FAMA-Nummer wenig vorkam. Und ich kann nicht anders, als an diese uralte Geschichte über Kains Misserfolg beim Opfer zu denken. Dass sein Opfer keine Anerkennung fand, kann Kain nicht angelastet werden. Aber dass er mit der empfundenen Niederlage nicht anders als mit Gewalt umzugehen weiss, wohl schon. Gott selbst spricht das ganz direkt an (Genesis 4,7, frei übersetzt): „Ist es nicht so, Kain: Wenn du etwas gut machst, dann hebst du den Kopf und blickst frei auf. Aber wenn du es nicht gut machst … dann lauert das Unheil schon vor der Tür. Darum pass auf! Lass es nicht zu.“ Aber Gottes Worte verhallen in Kains Wut. Später sieht Kain wohl ein, was er tat. Aber sein Lernweg führt über Leichen.
Genesis 4 ist eine Ur-Geschichte. Sie erzählt gänzlich unbschönigt von den Abgründen des Menschseins. Sie erzählt als Männer-Geschichte, was alle angeht (der spezifische Genderblick des Kapitels gäbe einiges her, kann hier aber nicht ausgeführt werden, das soll ja ein Kommentar sein und kein eigener Beitrag…). Die Lektion, scheint mir, ist bis heute kaum gelernt.

Aus Liebe zur Freiheit

Feministische Debatten sind oft schmerzhaft für die Beteiligten. Momentan zum Beispiel gibt es heftige Debatten um einen Blogpost von Chris Köver im Missy Magazine, die einen sarkastischen Text über eine Künstlerin geschrieben hatte, die ihr kein Face-to-face-Interview gegeben hat. Sie wurde daraufhin scharf kritisiert – wie ich finde, zu recht – und hat sich jetzt entschuldigt, aber, wie andere finden, zu halbherzig.

Die Debatte dreht sich um eine so genannte „Call-Out-Culture“, also darum, wie wir intern aneinander Kritik äußern und uns gegenseitig auf diskriminerendes oder sonstwie falsches Verhalten hinweisen. Das Thema ist auch unabhängig von dem konkreten Fall virulent. Viele meinen zum Beispiel, dass innerhalb des Feminismus zu viel und zu unbarmherzig kritisiert würde, sodass man ständig Angst haben müsste, irgend etwas falsch zu machen.

Aber dieses Problem ist ja keines, das speziell Feministinnen trifft. Sondern diese Probleme entstehen deshalb, weil wir generell in einer Kultur leben, die keinen guten Umgang mit Fehlern…

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