Gottes doppelter Ort

Gott denken jenseits der Alternative von Immanenz und Transzendenz

Zum Artikel von Magdalene L. Frettlöh in: FAMA 4/2014

Lange nicht mehr war Theologie so spannend zu lesen wie hier. Magdalene L. Frettlöh nimmt einem mit ins „Abenteuer Theologie.“ Das Grosse im Nachdenken und Fragen nach Gott und seinem Ort erschliessen sich neu. Einfach grossartig die Eröffnung mit der theologischen Debatte zwischen Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky. Die Autorin entlarvt die Gnadenlosigkeit des fast schon zum Mantra erhobenen Satz Sölles „Gott hat keine andern Hände als die unseren“ und ich atme als Leserin erleichtert auf. Und doch muss mich nicht trennen von Sölles Scharfsinn und Leidenschaftlichkeit. Dankbar bin ich der Autorin auch für ihren Mut zu grossen Linien. Sie nimmt Bezug auf theologische Autoren und Autorinnen aus dem ganzen 20. Jahrhundert und geht den grossen Fragen einer Theologie nach Auschwitz nach. Die grösste Perle sehe ich in der Erinnerung an des „Sonntagsgebet“ Etty Hillesums, der jungen holländischen Jüdin, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde: „….. und mit fast jedem Herzschlag wird mir klarer, dass du uns nicht helfen kannst, sondern dass wir dir helfen müssen und deinen Wohnsitz in unserem Inneren bis zum Letzten verteidigen müssen.“

Die kleine FAMA müsste sich vertausendfachen können, nur schon wegen dieses Beitrags, der jeder Gottsucherin und jedem Gottsucher, dem und der es dabei um das Humane geht, ganz vorne im Gepäck stecken müsste.

Jacqueline Sonego Mettner

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4 Antworten zu Gottes doppelter Ort

  1. Ich bin froh und dankbar um die FAMA und ihre interessanten und anregenden Artikel! „Atheistisch an Gott zu glauben“; -dieses ebenfalls von Sölle stammende Credo lasse ich mir dennoch nicht nehmen. Dabei lerne ich den Nazarener immer mehr als einen solidarischen Menschen kennen, der sich eingelassen hat auf die Lebensrealitäten seiner ZeitgenossInnen; gerade auch materielle Not betreffend. Lesenswert dabei das neuste Buch von Luzia Sutter Rehmann: http://www.aufbruch.ch/4560
    Empfehlenswert ebenfalls die neuste Ausgabe von „konstruktiv-Theologisches aus Bern“ zum Thema „Theologische Genderforschung“. Darin auch ein Artikel von Magdalene L. Frettlöh; -leider online noch nicht greifbar: http://www.theol.unibe.ch/content/ueber_uns/konstruktiv/index_ger.html

  2. Das „konstruktiv-Theologisches aus Bern“ zum Thema Theologische Geschlechterforschung ist nun online: http://www.theol.unibe.ch/unibe/theol/content/e2480/e3178/e3179/linkliste565618/Konstruktiv_2014_2.GzD_1.09.2014_ger.pdf

  3. Esther la Pasionara schreibt:

    „Danke Esther Gisler für den Link zum lesenswerten Text!“ Frau muss sich selbst loben, wenn es die Redaktion nicht tut; -oder sind gewisse „More equal“?

    • reda schreibt:

      Ja, danke! „Konstruktiv“ ist wirklich lesenswert.
      Und sorry fürs späte Aufschalten … nebst 100% Arbeit und Leben in der realen Welt versickern die Ereignisse und Wünsche in virtual reality manchmal zwischen den bits und Hirnzellen.

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