Es braucht mehr feministische Theologie in der öffentlichen Debatte

Der blog-Artikel aus FAMA 1/2015 Privatsache: „La mia parrocchia è il mondo Die notwendige Öffentlichkeit des Glaubens.“ (Jacqueline Sonego Mettner)

Leseeindruck von Martin Peier:

Gegen den Verlust, Bedeutendes zu sagen

Jacqueline Sonego Mettner greift in ihrem Beitrag Wesentliches auf und zeigt als Herausforderung: Kirchen müssten Worte finden zu Humanität und Zukunft, zu Menschenrechten sowie zu Sinn und Tiefe des Lebens. Ich spitze zustimmend zu: Kirche sind die, die daran beteiligt sind; also müssen Exponentinnen und Exponenten, die öffentlich reden, auch wirklich öffentlich relevante Worte finden. Voraussetzung dazu aber ist, dass sie zuerst nach geeigneten Worten suchen. Denn oft lässt sich die Kirche vernehmen, wird aber in der Öffentlichkeit nicht verstanden und darum auch nicht gehört.
Wer relevante Worte sucht, kann sie nur finden, wenn die, denen die Worte gelten, als Gleichwertige erkannt und anerkannt sind. Das aber bedeutet: Kirchliche Leute müssen verstehen, wie die Perspektiven ihrer Hörenden aussehen, welche Sprache sie sprechen, mit welchen Menschenbildern sie das Leben verstehen.
Insofern plädiere ich dafür, dass kirchliches Handeln und theologisches Denken insofern einer Feminisierung unterzogen werden, als damit Werte gemeint sind wie: Ermutigen zum Leben und zur Zukunft, Sprache ermöglichen und Dialog fördern, Führen durch Fragen, Aushalten von Unzulänglichem und Intervenieren bei Ungerechtem. Das wäre dann keine Genderfrage, sondern ein Auftrag an alle.
Martin Peier

 

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5 Antworten zu Es braucht mehr feministische Theologie in der öffentlichen Debatte

  1. Pingback: Privatsache | FAMA

  2. Feministischer Theologie war schon immer politisch und sie holte mittels der von ihr, bzw. ihren Exponentinnen gesetzten Themen das Private aus dem Schatten ins Licht. Natürlich braucht es mehr feministische Theologie auch gerade in öffentlichen Debatten; befreiende Geschichten als Narrativ gegen den stetigen Missbrauch von Gott durch Fundamentalisten und Extremisten jeglicher Couleur. Doch fangen wir zuerst bei uns selber an: Kommen wir als Theologinnen miteinander ins Gespräch, betreiben wir „Affidamento“ (nach den italienischen Diotima-Denkerinnen); beziehen wir uns aufeinander indem wir z.Bsp. die BigS verwenden (auch im Gottesdienst!) uns gegensetig zitieren etc. und ja: Schalten wir uns in die aktuellen Debatten ein; mit den Social Media doch heute nichts leichter als das. Von der Tagung im RomeroHaus von Ende Januar erhoffe ich mir dazu neue Impulse. Die Anmeldefrist wurde übrigens verlängert: http://ostschweizerinnen.ch/Frontseite/7-eineanderepolitik.php?navanchor=
    Und last but not least: Stürmen wir die männlichen Bastionen eines SEK und von Kirchenräten. Doch eben, ohne vorheriges und gleichzeitiges Networking ist dies nicht zu haben!

  3. Sabine Scheuter schreibt:

    Nur beipflichten kann man dem Aufruf von Jacqueline Sonego Mettner, die Kirche solle sich häufiger und mutiger in öffentliche Debatten einmischen.
    In den meisten Kirchen ist das Prophetische Wächteramt in den Kirchenordnungen verankert, doch in der Praxis hört bzw. liest man selten öffentliche Stellungnahmen zu politisch aktuellen Themen. Ein Grund dafür ist wohl auch, dass man nicht recht weiss, wer denn im Namen der Kirche und auf welcher Ebene (Gemeinde, Landeskirche, SEK) sprechen darf. Dies wird zum Problem, vor allem wenn man davon ausgeht, dass die Kirche mit einer einzigen repräsentativen Stimme sprechen müsste. Hier kann die Feministische Theologie kritisch einsetzen, ebenso wie beim allmächtigen Gottesbild: Eine Vielzahl von Stimmen auf verschiedenen Ebenen können das Prophetische Wächteramt besser erfüllen als ein einzelner Repräsentant und viele Schweigende.

  4. Das in den Social Media geläufige „I speak for myself“ sollten sich auch feministische Theologinnen auf ihre Fahne schreiben, wenn sie sich in Debatten einmischen. Ich tue dies immer wieder; sei mittels in Leserinbriefen oder auch in Internetforen, wie im Anschluss an die letzte ARENA-Sendung zum Thema Islam in der Schweiz. Dabei kommt es zwangsläufig zu Reibungen; -doch diese erzeugt bekanntlich ja auch Wärme. 😉

  5. reda schreibt:

    Ja – Fangen wir bei uns selbst an, immer wieder: Redend, schreibend, handelnd, miteinander ringend – aber nicht nur in unserem kleinen Kreis …

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