Aufatmen der US-Nonnen

Hoffnungszeichen

Laut New York Times gibt es nach dem anerkennenden Untersuchungsbericht, der Ende letzten Jahres veröffentlicht wurde, nun weitere positive Schritte im Konflikt zwischen dem Vatikan und dem Dachverband der US-Nonnen LCWR. Ein längerer englischer Beitrag ist hier. Eine kurze Information auf deutsch hier.

Beitrag vom Mai 2014:

USA: Solidarität mit Ordensfrauen!

Der Präfekt der römischen Glaubenskongregation hat den Dachverband der US-Nonnen LCWR Ende April erneut gemassregelt und unter Häresieverdacht gestellt. Das geht auch an den Theologinnen hierzulande nicht spurlos vorbei. Dr. Doris Strahm reagierte bereits in einem Kommentar auf aufbruch.ch auf die von Papst Franziskus erwünschte „neue Doris StrahmTheologie der Frau“. Feministisch sei diese nicht und sie fürchte sich vor einem „Machismo im Rock“. Die FAMA schliesst sich der Solidaritäts-Bekundung der IG-Feministischer Theologinnen an, die vor allem auf die Errungenschaften der US-Ordensfrauen hinweisen:
«Unser Ungehorsam ist Licht für unseren Geist» (Hildegard von Bingen) Die IG Feministische Theologinnen solidarisiert sich mit den von Rom gemassregelten «ungehorsamen» Ordensfrauen der LCWR.

Seit 2012 stehen US-amerikanische Ordensfrauen im Fokus der römischen Glaubenskongregation. Der “Leadership Conference of Women Religious”, die 80 Prozent der Nonnen in den USA vertritt, wurde in einem Untersuchungsbericht vorgeworfen, sich zu intensiv mit sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit zu befassen und in ihren Positionen bezüglich Abtreibung, Priesterweihe für Frauen, Feminismus und Homosexualität von der katholischen Lehre abzuweichen. Ausserdem wurden lehrmässige Mängel in ihren Veranstaltungen beanstandet. Ein dreiköpfiges bischöfliches Gremium unter der Leitung des Erzbischofs von Seattle wurde eingesetzt, das in den nächsten Jahren zum Rechten schauen soll. Das Gremium kann in alle Vorgänge des Dachverbands der Ordensfrauen eingreifen, neue Statuten erzwingen sowie Schriften, künftige Aktivitäten und Stellungnahmen zensurieren. Die LCWR-Leitung wies die vom Vatikan erhobene Kritik als unbegründet zurück. Die Vorwürfe der römischen Glaubenskongregation hätten keine substanzielle Basis und seien das Resultat eines mangelhaften und intransparenten Untersuchungsverfahrens. Ihre Hoffnung, der neue Papst, der selber einem Orden angehört, würde mehr Verständnis für sie aufbringen und die Gängelung aufheben, hat sich nicht erfüllt. 2013 hat Papst Franziskus die Massnahmen seines Vorgängers bestätigt. Zum Papst vorgelassen wurden die Schwestern bis anhin nicht.

Nun hat sich die Situation nochmals verschärft: Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, stellt die LCWR jetzt unter Häresieverdacht. Den Ordensfrauen, die für ihr grosses soziales Engagement und ihren Einsatz für eine zeitgerechte Erneuerung der Kirche letztes Jahr den “Herbert-Haag-Preis für die Freiheit in der Kirche” erhalten haben und deren Vertreterin Pat Farrell letztes Jahr von der IG Feministische Theologinnen zur Frau des Monats gekürt wurde, werden schwere Glaubensirrtümer vorgeworfen und Ungehorsam gegenüber vatikanischen Weisungen. Konkret wirft Müller der LCWR vor, eigenmächtig eine öffentliche Würdigung der feministischen Theologin und Ordensfrau Elizabeth A. Johnson Sr. Elizabeth Johnsongeplant zu haben, ohne dafür die Genehmigung Roms einzuholen. Dies sei eine “offene Provokation” gegenüber dem Vatikan. Denn der renommierten Theologin Elizabeth Johnson wurde 2011 vom “Komitee für Lehrfragen” der US-amerikanischen Bischofskonferenz vorgehalten, ihr Buch “Quest for the Living God”, in dem sie nach einer lebendigen Gottesrede

Barbara Marx Hubbard

sucht, die auch weibliche Gottesbilder einbezieht, stimme nicht mit der katholischen Lehre überein. Kritisiert wird vom Präfekten der Glaubenskongregation ausserdem, dass sich der LCWR immer stärker für das Konzept der “Bewussten Evolution” öffne, das die Theologin Barbara Marx Hubbard entwickelt hat. Ihre Grundthesenwidersprechen laut Müller der christlichen Offenbarung und erinnerten an die Lehren der Gnosis, die die Kirche in ihrer Frühzeit bereits als Häresie verurteilte.

Die Interessengemeinschaft Feministischer Theologinnen der Deutschschweiz und Liechtensteins solidarisiert sich mit den “ungehorsamen” Ordensfrauen des LCWR. Es ist ein Skandal, dass die prophetischen Stimmen engagierter Nonnen, deren sozialethisches Engagement aus der US-Gesellschaft nicht wegzudenken ist und die sich mit grosser spiritueller Kraft für eine zeitgerechte, menschen- und frauenfreundliche Erneuerung der Kirche einsetzen, zum Schweigen gebracht werden sollen. Als feministische Theologinnen fühlen wir uns mit den Ordensfrauen verbunden und wünschen ihnen die Kraft des Geistes, durch den Frauen in der Geschichte der Kirche immer wieder dazu bewegt wurden, ungehorsam zu sein und inspirierten Widerstand gegen die Kontrolle durch kirchliche Institutionen zu leisten – um dem Ruf der göttlichen Geistkraft so Folge zu leisten, wie sie ihn für sich verstanden haben. Hoffen wir gemeinsam und aktiv, dass eintrifft, was Pat Farrell, vormalige Präsidentin der LCWR, ihren Mitschwestern an der LCWR-Versammlung 2012 zugerufen hat: “Sie können ein paar Blumen zertreten, aber sie können den Frühling nicht aufhalten!”

(Hervorhebungen durch FAMA-reda)

Wir empfehlen die Homepage der IG-Feministische Theologinnen! HIER

In der Zeitschrift «aufbruch» hat Dr. theol. Doris Strahm einen online-Kommentar dazu verfasst: www.aufbruch.ch

 

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