Mein Cyborg-Bauch gehört mir

Einige Gedanken zu Natur und gefrorenen Eizellen

Geneva Moser

Im vergangenen Frühjahr hat die Autorin Sibylle Lewit- scharoff für einen regelrechten Aufschrei im Feuilleton zu sorgen gewusst, als sie an den Dresdner Reden 2014 zu einem Rundumschlag gegen Reproduktionstechnologien, bzw. gegen die Menschen, die sie in Anspruch nehmen, ausholte. Ausführlich und auskostend gab sie ihrem «Ab- scheu» über das «Fortpflanzungsgemurkse» Ausdruck. Kinder, die mittels Reproduktionstechnologien gezeugt wurden und damit nicht Lewitscharoffs Vorstellung von Natürlichkeit entsprechen, bezeichnete die Schriftstelle- rin als «Halbwesen»: «Nicht ganz echt sind sie in meinem Augen, sondern zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weissnichtwas.» Zahlreiche Stimmen gegen die Aussagen der Autorin wurden laut, das Dresdner Staatsschauspiel distanzierte sich umgehend in einem offenen Brief von der Rede. […]

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3 Antworten zu Mein Cyborg-Bauch gehört mir

  1. rita galli-jost schreibt:

    habe soeben euer ganzes heft (embryo) durchgelesen. so kompetent, umfassend, spannend und vielseitig bin ich bisher über dieses wichtige thema nirgends informiert worden. super!! DANKE. schickt mir in zukunft fama an meine privatadresse. mit dankbaren grüssen!

  2. Jacqueline Sonego Mettner schreibt:

    Den Gedanken von Geneva Moser entlang wird mir vieles meiner eigenen Position klarer. Nur schon dafür lohnt sich die Lektüre. Ich erinnere mich wie die Autorin an die Rede Sibylle Lewitscharoffs und dass ich damals in dieser Rede durchaus mein eigenes Unbehagen gegen die immer stärker werdende Medizinisierung des Lebensanfangs artikuliert fand. Ja, es wäre doch so schön, wenn es hier Grenzen gäbe, die so sicher sind wie die Tatsache, dass wir alle einmal sterben werden.
    Aber natürlich habe ich mich damals und heute an der Nase genommen und mich daran erinnert, wie viele Kinder ich schon getauft und begleitet habe, bei deren Zeugung medizinische Hilfe in Anspruch genommen wurde und dass ich keinen Unterschied feststellen konnte bei den Eltern beim Staunen über das Wunder des Lebens und der entsprechenden Dankbarkeit.
    Und nun, bei der Möglichkeit vom „egg freezing“ – gibt es da einen qualitativen Unterschied? Vermutlich nicht, und es wäre wohl nützlich, die Sache mit einer gewissen Gelassenheit zu betrachten.
    Was mir Sorge macht ist, dass damit die Möglichkeit der völligen Planbarkeit des Lebens noch mehr zur Norm wird. SoziologInnen sprechen auch in andern Zusammenhängen von einer zunehmenden „Verbetrieblichung“ des Lebens. Immer mehr wird auch die private Lebensgestaltung wie ein Betrieb gemanagt, einschliesslich der Beziehungen, der Kindererziehungen, der Freundschaften, der Gesundheit etc.
    Das ist mir ein Graus.

    Geneva Moser ordnet ihre Gedanken von autobiografischen Gegebenheiten her. Das ist zwar interessant, führt aber m.E. nicht sehr weit. Denn geht es wirklich darum, ob mein Bauch (wie Cyborg auch immer) mir gehört, oder geht es nicht endlich darum, dass wir alle dem Unverrechenbaren des Lebens, und dazu gehören Kinder und Kranke und Alte und wir alle, den Raum und die Zeit geben wollen, die wir brauchen? Und dass diese Wertung nicht nur Privatsache sein kann, sondern auch gesellschaftliche Kultivierung braucht? Ganz gemäss dem alten jesuanischen Wort: Der Sabbat, sprich das Wirtschaften ist für die Menschen da und nicht umgekehrt.

    Jacqueline Sonego Mettner

    • Ich gratuliere Geneva Moser zu ihrem Beitrag. Sie geht von ihrer Autobiographie aus, was ich durchaus legitim finde. Meines Erachtens bleibt sie durchaus nicht stehen damit; -auch wenn vielleicht einiges noch klarer ausgedrückt werden könnte: Indem sie zeigt, dass der weibliche Körper weiterhin als Kampfplatz um die symbolische Ordnung einer Gesellschaft dient, macht sie das Private eben zum Politikum. Die Care-Ökonomie droht mit „egg freezing“ wieder einmal der Wirtschaft im kensyanischen Sinne untergeordnet zu werden. Eine Neu-Ordnung in diesem Bereich tut not, wie es die Ethikerin Ina Prätorius in ihrer neusten Publikation eindrücklich analysiert:
      https://www.boell.de/de/2015/02/19/wirtschaft-ist-care-oder-die-wiederentdeckung-des-selbstverstaendlichen

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