«Sexistische Werbung schadet.»

Bildschirmfoto 2015-11-03 um 06.56.32Terre des Femmes
Schweiz
2. November 2015                            MEDIENMITTEILUNG

Sexistische Werbung ist gesundheitsschädigend
Startschuss der Kampagne «Sexistische Werbung schadet.»

Sexistische Werbung schadet besonders Frauen: Essstörungen, Körperscham oder Depressionen sind nur drei der unzähligen negativen Auswirkungen. Trotzdem ist sexistische Werbung in der Schweiz noch immer legal. TERRE DES FEMMES Schweiz lanciert deshalb heute eine Sensibilisierungskampagne.

Wen sexistische Werbung stört, soll doch einfach wegschauen, so ein oft angebrachtes Argument in der Debatte um sexistische Werbung. Doch so einfach ist es nicht, denn Werbung wirkt subtil: Die Bilder, die täglich auf uns einprasseln, konstruieren und verfestigen Geschlechterstereotype nachweislich. Wenn Frauen auf Plakaten und im Fernsehen ständig als shoppingsüchtig oder technisch unbegabt dargestellt werden, prägt dies das gesellschaftliche Bild der Frau nachhaltig.

Deshalb lanciert TERRE DES FEMMES Schweiz heute eine Kampagne gegen sexistische Werbung. Kernstück bildet die Webseite Sexismus.ch. Die Plattform informiert über die zahlreichen negativen Auswirkungen sexistischer Werbung: von notorischer Körperüberprüfung über Essstörungen bis zu Fachkräftemangel. Gleichzeitig zeigt sie auf, wie sich die Werbekonsument_innen zur Wehr setzen können.

Beworben wird die Webseite mit Flyern und Aufklebern, via Facebook und mit Bierdeckeln in Restaurants und Bars der vier grössten Deutschschweizer Städte. Die Kampagne läuft bis Mitte Dezember 2015.

Die Selbstregulierung hat versagt

Einige Kantone und Gemeinden kennen zwar Verbote von sexistischer Werbung auf öffentlichem Grund. Eine nationale Regelung gegen geschlechterdiskriminierende Werbung existiert in der Schweiz aber nicht. Die letzten politischen Vorstösse dazu wurden mit Verweis auf die «funktionierende Selbstregulierung» der Werbebranche abgelehnt. Doch die zuständige Lauterkeitskommission wies 2014 von insgesamt 13 Beschwerden 9 ab, auf 4 wurde nicht eingetreten. Offensichtlich funktioniert die Selbstregulierung im Bereich geschlechterdiskriminierender Werbung in der Schweiz nicht.

TERRE DES FEMMES Schweiz ruft die Konsument_innen dazu auf, sich bei sexistischer Werbung bei der Lauterkeitskommission zu beschweren. Zusätzlich stellt sie Unternehmen, die mit sexistischer Werbung werben, an den öffentlichen Pranger.

TERRE DES FEMMES Schweiz fordert neue Beurteilungskriterien

Den grössten Handlungsbedarf sieht TERRE DES FEMMES Schweiz in der Überarbeitung der Kommissionsgrundsätze der Lauterkeitskommission. «Die heutigen Kriterien lassen zu viel Interpretationsspielraum», so David Gerber, Projektleiter bei TERRE DES FEMMES Schweiz. «Erst wenn eine Werbung mit all ihren Facetten – also von Bildarrangement über Kameraperspektive bis zur Botschaft zwischen den Zeilen – beurteilt werden kann, ist ein fundierter Entscheid möglich. Das lassen die heutigen Kriterien nicht zu.» TERRE DES FEMMES Schweiz stellt deshalb einen eigenen Kriterienkatalog bereit, anhand dessen sexistische Elemente einer Werbung tatsächlich ausgemacht werden könnten.

Die UNO kritisiert die Schweiz wegen sexistischer Werbung

In der letzten periodischen Überprüfung durch den UNO-Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) wurde die Schweiz 2008 für die fehlende Gesetzgebung zu geschlechterdiskriminierender Werbung kritisiert: «Der Ausschuss bekundet jedoch seine Besorgnis angesichts des Fortbestehens tief verwurzelter traditioneller Einstellungen und Stereotype etwa in den Medien und in der Werbung. Diese untergraben den Sozialstatus der Frauen und tragen zu ihrer Benachteiligung in einer Reihe von Bereichen bei, darunter im Bildungswesen, auf dem Arbeitsmarkt, beim Zugang zu Entscheidungspositionen und bei der Mitwirkung im politischen und im öffentlichen Leben». Der Ausschuss forderte die Schweiz auf, stereotype Bilder und Einstellungen hinsichtlich der Rolle der Frau und des Mannes in Familie und Gesellschaft zu beseitigen. Dies sollte unter anderem durch gesetzliche, politische und bewusstseinsbildende Massnahmen erreicht werden.

Kampagnen-Material und Füllerinserate zum Download
Kontakt:
TERRE DES FEMMES Schweiz
David Gerber, Projektleiter
Telefon +41 (0)31 311 38 79, Mobil  +41 (0)77 433 83 62
kommunikation@terre.des.femmes.ch

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Eine Antwort zu «Sexistische Werbung schadet.»

  1. reda schreibt:

    Eine Beschwerde einreichen bei der Lauterkeitskommission (http://www.faire-werbung.ch/) geht schnell und unkompliziert.

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