Weil ein #Aufschrei nicht reicht

Anne Wizorek, Weil ein #Aufschrei nicht reicht.
Für einen Feminismus von Heute, Fischer Verlag 2014.

Leseeindruck von Moni Egger

Jetzt hab ich es gefunden! Endlich! Das feministische Handbuch, das sich leicht lesen lässt, wichtige Entwicklungen und aktuelle Fragestellungen zusammenfasst und erst noch Handlungsoptionen aufzeigt. Anne Wizorek schreibt süffig und mit viel Augenzwinkern und wird gerade dadurch dem Ernst der Lage gerecht.

Zwei Hauptaspekte ziehen sich durchs ganze Buch:

  • Intersektionalität als Muss – „Vielfalt muss bedeuten, dass jeder Mensch nicht nur gleich, sondern auch gut behandelt wird“ (41). Damit sind nicht nur Frauen und Männer gemeint, sondern wirklich alle Menschen. Immer wieder verweist Wizorek auf Aktionen verschiedenster marginaliserter Gruppen. „Es geht darum, eine Welt zu schaffen, in der alle so akzeptiert und respektiert werden, wie sie sind, und in der diese Unterschiede nicht als Grund dafür gesehen werden, dass ihnen Respekt und Chancen verwehrt werden können. Alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung_Identität, Alter, Behinderungen, Religion sollen die gleichen Rechte und Chancen haben. Alle. Das heißt, sich von den tief in unserer Gesellschaft verwurzelten Diskriminierungen zu lösen und auch Privilegien aufzugeben, die damit verbunden sind. Dabei sind nicht alle unsere Kämpfe identisch, aber das Ziel, sie zu beenden und nie mehr führen zu müssen, ist es.“ (310)
  • Internet als Tool – Es gibt keine strikte Trennung zwischen online und offline. Was im Netz beginnt, spinnt sich auf der Strasse weiter – und umgekehrt. Mit den social media hat der Feminismus eine ganz neue Reichweite, Vernetzung rund um den Globus wird per Mausklick möglich. (Im letzten Jahr wurde diese gemeinsame Kraft in den WomensMarches besonders deutlich.) So ist das Buch denn auch gespickt mit Hinweisen auf Internetquellen, spannende Blogs und Hashtags, Aktivist_innen vorwiegend aus den USA und aus Deutschland.

„Und was nun? Etwas tun! Handlungsanweisungen gegen die Hilflosigkeit.“  (Kapitel 12, 272-291). Das Kapitel beginnt mit einer kleinen Moralpredigt, die in etwa heisst: Etwas Tun ist Pflicht. Denn wer nichts tut, ist Teil des Problems. Aber Lorbeeren warten nicht, sondern tägliche mühsame Kleinarbeit. Danach folgen konkrete Tipps zur Selbstsorge und Vernetzung und erst dann Hinweise auf unzählige Aktionen on- und offline, die zum Mitmachen oder Nachahmen anregen. Die Lektüre weckt den Tatendrang.

Anne Wizoreks Vision von Feminismus: F für Fragen, denn an „Normen zu rütteln, sie zu zerschlagen und etwas gänzlich Neues aufzubauen, beginnt beim Fragen.“ (306) F für Fortschritt, hin zu einer gerechten Gesellschaft für alle (alle!!), da gibt es noch viel zu tun. „Zu viele Menschen scheinen mehr Vorstellungskraft dafür zu haben, andere Planeten zu entdecken, als dafür unsere eigene Gesellschaft zu gestalten.“ (309) F für Freiheit. (Dazu gibt es nichts mehr zu sagen. So hört das Buch auf.)

Ich habe das Buch in einem Schnurz gelesen und dabei mehr als einmal geschmunzelt oder gar laut aufgelacht. Zu empfehlen ist es sowohl feministischen Einsteiger_innen als auch solchen, die schon lange dabei sind und deren feministisches Feuer wieder einmal ein paar neue Funken verträgt.

annewizorek.de

Leseprobe und Inhaltsverzeichnis

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Eine Antwort zu Weil ein #Aufschrei nicht reicht

  1. Esther Gisler Fischer schreibt:

    Zum Thema Sexismus in der Werbung gibts eine Neuerscheinung, welche im efef-Verlag erschienen ist (unter Neuerscheinungen, 4. Position von oben): http://www.efefverlag.ch/

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